Gesellschaft

Suchbegriff / Tag

Es ist jetzt vielleicht 10 Tage oder 3 Wochen her, dass wir verstanden haben, wie ernst die Epidemie ist; wir: als Gesellschaft, wir als Welt. Es dauerte, bis sich der soziale Druck bis in die uneinsichtigsten Köpfe vorgekämpft hatte – und bei jenen mit genügend wenig Grips und Erfahrung ist vermutlich immer noch eine gewisse Strecke bis zur Einsicht zu überwinden: Wenn ich auf den Parkplatz der grossen Firma nebenan schaue, bei Schichtende: weder Mundschutz noch Abstand; Fahrgemeinschaften, Grüppchen, alles wie gehabt. Doch auch, wenn und wo wir verstanden haben – viel weiter, als dass „Krise ist“, sind wir damit noch nicht gekommen.

Nach dem Nachrichten-Tsunami von 2013, nach Citizen 4 von Laura Poitras, nach Snowdon von Oliver Stone, nach zahllosen Interviews (zuletzt eine Stunde im DLF) – nach dem ganzen Medienrummel rund um Ed Snowdon: welche Fragen waren danach eigentlich noch offen?

Worüber kann man, worüber muss man diskutieren? Diskutieren in dem Sinne, dass Meinungen, Haltungen, Standpunkte denkbar und auch dann noch akzeptabel sind, wenn sie unvereinbar auseinander liegen? Was nicht diskutiert werden kann, nennen wir ein Tabu. Immer wieder werden Tabus gebrochen: mal tanzt der Zeitgeist aus der Reihe, mal haben sich die tabuisierenden Umstände verändert.

Porth, Goetz, Houellebecq, Biller, Berg. Nicht eben meine literarische Grundversorgung, oft genug reizt es mich nicht einmal zur Kritik. Sibylle Berg hat sich mit GRM-Brainfuck in meiner persönlichen Literaturgeschichte eine eigene Kerbe verdient, OBWOHL ich das Buch ziemlich widerlich finde.