Gesellschaft
Tabus sind laut oder leise, manche erscheinen sinnvoll, daneben gibt es schädliche. Sie grenzen aus, unterdrücken, lassen nicht stattfinden, was aber doch, abseits, subkutan, im Dunklen oder im Hintergrund, irgendwie wirksam ist. Zuweilen haben sie eine gesellschafts-hygienische Funktion und helfen bei der Vermeidung von Diskussionen, deren „offene“ Enden Schäden anrichten (würden): sie halten, sozusagen, Pandoras Büchsen geschlossen.
Oft zu hören, dass die Meinungsfreiheit in Gefahr sei. Wo die Klage auftaucht, führt sie gern rechtspopulistische oder Verschwörungstheorien im Gepäck. Klar: DER Vorwurf ist bekanntermassen blanker Unsinn, denn die Öffentlichkeit wird mit eben solchen Behauptungen regelrecht geflutet (darunter die Klage um den Verlust der Meinungsfreiheit als nur eine von zahlreichen Absurditäten ist).
Das alles mal gar nicht so rund läuft, nun, das ist keine Premiere. So war in den 80er Jahren war schon mal alles zu Ende, No Future! Auch heute: Krise, Krise, Krise!
Soll verschwinden – soll aufhören, uns auf die Nerven zu gehen. Geh mir fott! Man will’s nicht mehr hören, die Sau ist durch’s Dorf, Haken dran, what’s next!
Und? Hat’s geklappt?
Any News is Good News. Wenn ich die Verkaufsstatistik von Amazon richtig lese, muss man für Guillaume Paoli gar nicht mehr soo viel tue: es läuft. Dass meine Empfehlung wie ein Verriss daher kommt, sagen wir: so tut, als wäre es einer, wird dem Buch also kaum schaden. Ernsthaft aber: Paolis Einkreisung des allgemeinen Desasters liest sich flott.
Wer schon würde sich als illiberal bezeichnen? Allein der Hinweis auf Victor Orban genügt, um grösstmöglichen Abstand zu suchen. Ex negativo ist sofort klar, dass wir aber so was von liberal sind! Umgekehrt, sozusagen ex positivo, wäre dagegen gar nicht so einfach, den Liberalismus jenseit einiger Gemeinplätze zu definieren. Zufällig (?) haben Raymond Geuss und Francis Fukuyama ziemlich zeitgleich darüber nachgedacht, was Liberalismus ist und wie sie dazu stehen.
Immerhin gelingt es dem Autor, in gewissen Abständen die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen. 2016 hatte ich „Panikherz“ gelesen (tatsächlich: gehört, nicht ganz das gleiche, aber es reicht für die 80:20-Regel). Es war nicht mehr (und nicht weniger) als die Beichte eines Suchcharakters: soo interessant ist das nicht. Und also kam ich nach überschaubar wenigen Zeilen